Sibylle Berg

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Die Damen warten

Vier Frauen Anfang, Mitte 50 erhalten die Einladung zu einem kostenlosen Wohlfühltag und landen in einer Wellness-Oase, wo ein Hair-Make-up-Artist mit ihnen den Horror ihrer Weiblichkeit durchbuchstabiert, von Anorexie bis Zyklusstörungen. So individuell die Lebensentwürfe von Frau Luhmann (alleinerziehende Angestellte), Frau Grau (Pathologin und überzeugter kinderloser Single), Frau Merz-Dulschmann (verheiratete Hausfrau und Mutter) sowie Frau Töss (Anwältin und ewige Geliebte) sind, so kollektiv sind ihre Probleme: das vorgebliche Schwinden sexueller Attraktivität oder gleich die soziale Ächtung, die Reduktion aufs Äußere, egal wie hoch die Intelligenz ist, das unausgesprochene Diktat männlicher Urteile und Normen. Dass sich hinter der Fokussierung auf den Körper, der Versorgung mit Kosmetik-, Mode- und Frisurentipps ein perfider Plan verbirgt, merken die vier Frauen um ein Haar zu spät, bevor sie endlich zum Gegenschlag ausholen.

Souverän befreit Sibylle Berg ihre Damen aus dem Fegefeuer sämtlicher Frauenzeitschriften dieser Welt und ersetzt Gespräche über Fettabsaugung durch einen feministischen Diskurs, in dem nicht nur bittere Erfahrungen ausgetauscht werden, sondern auch sarkastisch-bissige Bemerkungen übereinander. Denn übersehen sie, wo die wahre Front verläuft, können die Frauen selbst bisweilen der schärfste Feind der Frauen sein – ein Zustand, den es zu beenden gilt.

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Premiere: 12/14/2012, Theater Bonn
Regie: Klaus Weise
Verlag: Rowohlt Theaterverlag